Mit ‘Ernährung’ getaggte Artikel

PR-Debakel für Nestlé

Sonntag, 21. März 2010

Greenpeace treibt Nestlé und die Marke Kitkat mit einem Schockvideo im Web vor sich her. Dabei stellt sich der Konsumgüterriese selbst ein Bein. Nachdem Nestlé offenbar eine britische Variante des Videos bei Youtube löschen ließ, kursiert der Clip, Teil einer weltweiten Kampagne, nun lawinenartig durchs Netz. Zugleich hat der Konzern die Fanseite bei Facebook abgeschaltet.

Details dazu erfährt man beim Greenpeacler Björn Jettka in seinem Blog

“Nestlé habe seine Fan-Seite bei Facebook eingestellt, heißt es kurz und knapp in einer Mail, die mich am frühen Morgen erreicht. Stimmt, stelle ich wenig später fest. Die Seite mit den rund 700.000 Fans existiert nicht mehr. Dort, wo noch vor kurzem Loblieder auf den Kitkat-Riegel gesungen wurden, klafft inzwischen eine digitale Lücke. Über Nacht hat da offenbar jemand den Stecker gezogen, fühlte sich vielleicht auf einmal zu exponiert in der Öffentlichkeit. Doch deswegen gleich die eigenen Kunden rüde vor die Tür setzen, das ist schon arg und im Zeitalter des Web2.0 meines Wissens beispiellos.

Erstaunlich, dass ein Konzern lieber die direkte Kommunikation zu 700.000 Kunden abbricht als sich mit der Kritik an seiner Einkaufspolitik bezüglich Palmöl auseinanderzusetzen. “Warum nimmt Nestlé die Krise nicht als Chance wahr und stellt die Produktion von Kitkat um, so dass nur noch nachhaltig angebautes Palmöl verwendet wird?,” scheribt der Greenpeacler Björn Jettka. Die Diskussion geht unterdessen weiter: http://www.pr-blogger.de/

Jettka weiter: “Inzwischen greifen auch traditionelle Medien die Geschichte auf und berichten über Kitkat, Greenpeace und Palmöl. Hier und da schafft es die PR-Abteilung von Nestlé sogar, dass ihre grüngewaschenen Zertifikate erwähnt werden. Und gelegentlich findet sich auch der PR-Hinweis der KitKater, dass direkte Verträge zu Produzenten in Indonesien bereits gekündigt seien.
Doch in der Summe wird auch in den traditionellen Medien deutlich: Nestlé bezieht das Gros seines Palmöls indirekt über Zwischenhändler und aus Urwaldzerstörung. Und solange dies so ist, wird es im Netz noch einiges an Diskussionsstoff geben.”

Welche Auswirkungen eine Einkaufspolitik, wie die von Nestlé hat, konnte Jettka 2007 selbst erleben. Zwei Wochen lang war er im Greenpeace-Urwaldcamp auf Sumatra, hat zerstörten Urwald gesehen, Dämme gegen Entwässerungskanäle gebaut und einen Blog geschrieben, auch ein Video aufgenommen.

Update 22.3.:
Der Portal für Marketing, Werbung und Medien HORIZONT.NET hat die Entwicklung weiter in Blick:
“Ebenfalls ungeschickt reagiert der Konzern auf kritische Stimmen auf der offiziellen Unternehmens-Fanpage bei Facebook: So droht Nestlé den rund 90.000 Mitgliedern mit der Löschung von Kommentaren, falls dabei eine veränderte Version des Firmenlogos benutzt wird. Besonders kritische Kommentare wurden kurzerhand entfernt. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Nestlé hat sich inzwischen für die Löschung von Kommentaren und den teilweise unglücklichen Tonfall seiner Antworten entschuldigt.

Greenpeace setzt seine Kampagne gegen Kitkat unterdessen fort. Die Zusicherung von Nestlé, man beziehe kein Palmöl des umstrittenen Zulieferers Sinar Mas mehr, reicht den Umweltschützern nicht aus. Sie wollen den Konzern dazu bringen, auch die Zusammenarbeit mit Zwischenhändlern zu beenden, die Palmöl von dem Hersteller beziehen.” (hier zum Beitrag auf HORIZONT.NET)

Neu: Der Veggieburger von McDonald´s

Mittwoch, 17. Februar 2010

Nein, MacDonald´s ist definitiv nicht der Essensanbieter der Wahl. Aber dennoch bitten wir um einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit: Es gibt endlich wieder einen Veggieburger. Mit sage und schreibe 1507 Kalorien Kilojoule für nur einen Euro zehn - das ist ein sagenhaftes ordentliches Preis-Leistungsverhältnis. (Das sind nur rund 360 Kilokalorien, wie Bambi zurecht anmerkt. Das schmeckt man auch. Ich habe gestern den Burger probiert und war lange nicht so satt, wie es bei 1500 Kalorien zu erwarten gewesen wäre. Ach ja: War schon ganz schmackhaft der Burger, aber ein wenig weich und klebrig.)

In der Süddeutschen Zeitung vom 9.2. sagte der McDonalds-Deutschland-Chef Bane Knezevic übrigens: “Wir sind kein grünes Unternehmen”. Hintergrund waren die zahlreichen Mutmaßungen, mit dem Farbwechsel des Firmelogos von rot auf grün solle auch ein stärkeres Umweltbewusstsein des Konzerns signalisiert werden. “Das war nie Teil der Strategie”, sagte Knesevic dazu.

McDonald´s Veggieburger

McDonald´s Veggieburger

Es eraignern sich noch Zeichen…

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Da staunte der vegetarische Metzger nicht schlecht: Eben noch dem Puter im Bratrohr der Herkunftsfamilie entkommen, strahlt ihn heute im roten Kasten der rheinischen Boulevardzeitung “Express” folgende Schlagzeile an:

Ministerin Aigner wirbt für geringeren Fleischkonsum

Ministerin Aigner wirbt für geringeren Fleischkonsum

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU), ansonsten dem aktiven Umweltschutz eher unverdächtig, fordert zwischen den Tagen die Deutschen auf, weniger Fleisch zu essen – als Beitrag zum Klimaschutz. Auf der einen Seite wolle sie in der Landwirtschaft umweltfreundlichere Produktionsmethoden etablieren, schreibt das Blatt, auf der anderen wolle sie den Verbrauchern die fettigen Finger „an die eigene Nase” führen. Denn eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit weniger Fleisch sei ein Beitrag zum Klimaschutz, erklärte Aigner demnach zuvor in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“

Mit 88,4 Kilo pro Kopf erreichte der Fleischverbrauch in Deutschland 2008 übrigens einen Rekordwert. Verzehrt wurden laut Fleischwarenverband 60,4 Kilo, der Rest ging in die industrielle Verwertung (z. B. für Cremes). Männer essen laut “Expresse” im Schnitt doppelt so viel Fleisch wie Frauen. Am beliebtesten ist Schwein: 2008 wurden 38,4 Kilo pro Kopf verzehrt. Auf Platz zwei folgt Geflügel (11,2 kg) vor Rindfleisch (8,6kg).

Ach ja, zum Thema Klimaschutz: Laut UN-Studien entstehen rund 18 Prozent aller Treibhausgase weltweit durch die Fleischproduktion, etwa durch den Methan-Ausstoß von Rindern, und durch die Produktion der Futtermittel. Das ist mehr als der gesamte Verkehr (Autos, Flugzeuge, Züge, Schiffe etc.) auf der Erde verursacht. Die Schäden durch die Zerstörung der Regenwälder ist da noch nicht eingerechnet.

Superkartoffel vs. Superwurst

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Hurra! Da jauchzt das Vegetarierherz: Endlich gibt es einen Gemüse-Helden, der es mit Superwurst aufnehmen kann: “Die Schale ist hellbraun, das Fleisch saftig und gelb - rein äußerlich sieht die neue Kartoffel aus wie jede andere. Doch in ihrem Inneren ist sie anders”, schreibt die Agentur ddp über die neue Superkartoffel.

Kann sie es mit dem schlanken Schurken im Heldenkostüm, der Superwurst aufnehmen? “Superwurst rettet die Welt” heißt es noch immer beim Hersteller Ökoland: Denn Superwurst sei das weltweit erste verarbeitete Lebensmittel nach “Stop-climate-Change-Standard”! Wir sind beeindruckt. Allein: Warum kein Wort über die Emissionen der Tierzucht? Als wäre das nicht genug, reckt Superwurst auch noch politisch unkorrekt die Hand zum Gruße, wie uns Shopblogger zeigt:

braunewurst

Aber die Enttäuschung folgt auf dem Fuße: Superkartoffel ist gar nicht zum Grillen geeignet. Sie fällt daher als vegetarischer Retter vorerst aus: “Ihre Zellen produzieren reines Amylopektin, eine Stärke, die in der Papier-, Textil- und Nahrungsindustrie benötigt wird. Die neue Kartoffel, die jetzt zum ersten Mal geerntet und verarbeitet wird, haben Fraunhofer-Forscher mit Hilfe eines neuen, besonders schnellen Züchtungsverfahrens entwickelt” schreibt ddp.
Aber nicht verzagen! Die Welt steht kurz vor einer landwirtschaftlichen Revolution aus dem Osten Deutschlands: Ein neuer Superreis, der in den Überflutungsgebieten der langsam ansteigenden Ostsee gedeiht:

Schiff ahoi, Fisch ade?

Mittwoch, 07. Januar 2009

Auch so ein Dilemma: Ist Fischessen eigentlich noch in Ordnung? „Nein, aber“ könnte man sagen. Denn: Wenn schon Fisch, dann mit Zertifikat.

Fisch ist ein Dauertrend in der „leichten Küche“ und der Gastronomie. Während Sushi vom Yuppie-Häppchen zum japanischen Dönerkonkurrenten aufgestiegen ist, hören wir weiterhin die jahrzehntealte gleiche Leier der Ernährungswissenschaftler, Fisch sei nicht nur schmackhaft, sondern auch besonders gesund, gelten Fische doch als optimale Lieferanten von Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und „guten“ Fettsäuren. Das ist sicherlich nicht falsch, aber was hilft es, wenn die Fischbestände weiter derart schrumpfen, dass die für viele Millionen Menschen wichtigste Eiweißquelle in nicht allzu ferner Zukunft versiegt? (weiterlesen…)

Das Neueste vom vegetarischen Metzger

Dienstag, 06. Januar 2009

Vielen, die sich fleischlos ernähren, fehlen dann und wann die Konsistenz und die Würze von Fleisch. Das geht natürlich nicht allen Vegetariern so, aber bei der Grillparty vermisst doch der eine oder andere ein krosses, würziges Grillstück auf dem Teller. So scheitern viele Neu- oder Teilzeitvegetarier am heißen Rost. Aber das muss nicht sein.

Mittlerweile können die fleischlosen Genießer problemlos mithalten, denn vegetarisch Grillen bedeutet keineswegs pures Gemüserösten: Seit einigen Jahren bestücken die Bioläden und Reformhäuser ihre Kühlregale mit immer neuen Pseudofleischvarianten auf pflanzlicher Basis und die Food-Designer arbeiten an immer neuen Imitaten, die kaum noch vom tierischen Vorbild zu unterscheiden sind.

Das gelingt ihnen leider nicht immer: Wer von laschen Tofuschnitzeln mit aufgemalten Grillstreifen gekostet oder die falschen Sojawürsten erwischt hat, greift beim nächsten Mal wieder zum ehrlichen Gemüsespieß oder legt sich einen Grill-Käse aufs Rost. Fortgeschrittene schwören hingegen auf Seitan und können damit locker auch eingefleischte Kotelettfans überzeugen. (weiterlesen…)

Neues vom vegetarischen Metzger

Dienstag, 06. Januar 2009

Wäre es nicht schön, der kulinarischen Fleischeslust zu frönen, ohne dass das ökologische und ethische Gewissen den Biss ins Filet verleidet? Tierfreies Fleisch aus dem Labor wird es möglich machen. Vielleicht.

Keine Frage, der wachsende Fleischkonsum weltweit ist mitverantwortlich für die Klimaerwärmung, für die Rodung der Regenwälder, für eine beispiellose Verschwendung von Futtermitteln, die ansonsten als pflanzliche Kalorien und Proteine den Nahrungsbedarf einer Vielzahl vom Menschen decken könnten. Etwa die Hälfte des weltweit produzierten Getreides landen in den Futtertrögen des Mastviehs, bei Sojabohnen sind es sogar 90 Prozent. Ganz abgesehen vom Leid der Tiere in der Massentierhaltung. (weiterlesen…)