Greenpeace treibt Nestlé und die Marke Kitkat mit einem Schockvideo im Web vor sich her. Dabei stellt sich der Konsumgüterriese selbst ein Bein. Nachdem Nestlé offenbar eine britische Variante des Videos bei Youtube löschen ließ, kursiert der Clip, Teil einer weltweiten Kampagne, nun lawinenartig durchs Netz. Zugleich hat der Konzern die Fanseite bei Facebook abgeschaltet.
Details dazu erfährt man beim Greenpeacler Björn Jettka in seinem Blog
“Nestlé habe seine Fan-Seite bei Facebook eingestellt, heißt es kurz und knapp in einer Mail, die mich am frühen Morgen erreicht. Stimmt, stelle ich wenig später fest. Die Seite mit den rund 700.000 Fans existiert nicht mehr. Dort, wo noch vor kurzem Loblieder auf den Kitkat-Riegel gesungen wurden, klafft inzwischen eine digitale Lücke. Über Nacht hat da offenbar jemand den Stecker gezogen, fühlte sich vielleicht auf einmal zu exponiert in der Öffentlichkeit. Doch deswegen gleich die eigenen Kunden rüde vor die Tür setzen, das ist schon arg und im Zeitalter des Web2.0 meines Wissens beispiellos.
Erstaunlich, dass ein Konzern lieber die direkte Kommunikation zu 700.000 Kunden abbricht als sich mit der Kritik an seiner Einkaufspolitik bezüglich Palmöl auseinanderzusetzen. “Warum nimmt Nestlé die Krise nicht als Chance wahr und stellt die Produktion von Kitkat um, so dass nur noch nachhaltig angebautes Palmöl verwendet wird?,” scheribt der Greenpeacler Björn Jettka. Die Diskussion geht unterdessen weiter: http://www.pr-blogger.de/
Jettka weiter: “Inzwischen greifen auch traditionelle Medien die Geschichte auf und berichten über Kitkat, Greenpeace und Palmöl. Hier und da schafft es die PR-Abteilung von Nestlé sogar, dass ihre grüngewaschenen Zertifikate erwähnt werden. Und gelegentlich findet sich auch der PR-Hinweis der KitKater, dass direkte Verträge zu Produzenten in Indonesien bereits gekündigt seien.
Doch in der Summe wird auch in den traditionellen Medien deutlich: Nestlé bezieht das Gros seines Palmöls indirekt über Zwischenhändler und aus Urwaldzerstörung. Und solange dies so ist, wird es im Netz noch einiges an Diskussionsstoff geben.”
Welche Auswirkungen eine Einkaufspolitik, wie die von Nestlé hat, konnte Jettka 2007 selbst erleben. Zwei Wochen lang war er im Greenpeace-Urwaldcamp auf Sumatra, hat zerstörten Urwald gesehen, Dämme gegen Entwässerungskanäle gebaut und einen Blog geschrieben, auch ein Video aufgenommen.
Update 22.3.:
Der Portal für Marketing, Werbung und Medien HORIZONT.NET hat die Entwicklung weiter in Blick:
“Ebenfalls ungeschickt reagiert der Konzern auf kritische Stimmen auf der offiziellen Unternehmens-Fanpage bei Facebook: So droht Nestlé den rund 90.000 Mitgliedern mit der Löschung von Kommentaren, falls dabei eine veränderte Version des Firmenlogos benutzt wird. Besonders kritische Kommentare wurden kurzerhand entfernt. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Nestlé hat sich inzwischen für die Löschung von Kommentaren und den teilweise unglücklichen Tonfall seiner Antworten entschuldigt.
Greenpeace setzt seine Kampagne gegen Kitkat unterdessen fort. Die Zusicherung von Nestlé, man beziehe kein Palmöl des umstrittenen Zulieferers Sinar Mas mehr, reicht den Umweltschützern nicht aus. Sie wollen den Konzern dazu bringen, auch die Zusammenarbeit mit Zwischenhändlern zu beenden, die Palmöl von dem Hersteller beziehen.” (hier zum Beitrag auf HORIZONT.NET)


