Zur Eröffnung der weltgrößten Lebensmittelmesse Anuga in Köln ging Rewe-Chef Caparros letzte Woche mit der eigenen Branche hart ins Gericht: Nirgends sei der Billig-Wettbewerb so ausgeprägt wie bei uns, sagt der Boss von Deutschlands zweitgrößtem Lebensmittelhändler (Penny, toom, Comet), wie auf Spiegel Online (14.10.2009) zu lesen ist, - und plädierte für mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelindustrie.
Weiter schreibt Spiegel Online: “In keinem anderen Land, so weist Caparros Redemanuskript aus, sei der Marktanteil der Discounter höher. Nirgendwo sei man so preisfixiert wie in Deutschland. Und wer ist Schuld daran? “Wir selbst”, so Caparros, dessen offene Worte für merkliches Erstaunen unter den anwesenden Lebensmittelmanagern sorgten. Wir, damit meint der Rewe-Chef Handel und Ernährungsindustrie. “Wir selbst haben an der Erziehung vieler, vieler Verbraucher zu gnadenlosen Schnäppchen-Jägern mitgewirkt.”
Der “mörderische Preiswettbewerb” mit bislang zehn Preissenkungswellen in diesem Jahr sei kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell, sondern Wertvernichtung. Da inzwischen selbst die Discounter (zu Rewe gehört der Billigableger Penny) Umsatz einbüßten, könne es so nicht weitergehen. “Wir müssen endlich zur Besinnung kommen”, so Caparros fast flehentlich. Der Weg aus dieser Preisspirale nach unten sei Nachhaltigkeit - nur darüber könne es gelingen zu “verantwortungsvollen”, also höheren Preisen zu kommen.
Das erstaunt - denn bislang haben viele Konzerne das Thema Nachhaltigkeit achtlos an die PR-Abteilungen abgeschoben. Man machte hier bei einem Ökoprojekt mit und sparte dort ein wenig Abfall - zu einer Reorganisation des Kerngeschäfts unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten war aber kaum ein Unternehmen bereit.
Das soll sich jetzt ändern: Caparros will nun statt mit Marketing oder “irgendwelchen Gimmicks” mit Projekten überzeugen: Mithilfe von ausgewählten Vertragslandwirten sei die Pestizidbelastung um über 20 Prozent gesunken, Strom beziehe Rewe seit 2008 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Bis 2015 soll der CO-2-Ausstoß des Konzerns um 30 Prozent sinken - deutlich stärker als bei den Konkurrenten Metro und Edeka.”
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,655039,00.html